Dempster Highway

11. September 2025 Kanada

Wir wussten lange nicht, ob wir uns und vor allem unserer Vandy den berühmten Dempster Highway wirklich antun wollen. „Das letzte große Abenteuer Westkanadas“ bedeutet nicht ganz so blumig ausgedrückt: 887 Kilometer einfache Fahrt auf schlechter Schotterpiste bis zu deren Ende am arktischen Meer und dann den selben Weg wieder retour mit der Empfehlung nicht nur einen, sondern zwei Ersatzreifen dabei zu haben. 

Klingt schon nicht mehr so einladend, oder? Vor allem nicht für ein 44 Jahre altes Wohnmobil.…Aber am Ende dachten wir uns, dass wir bestimmt schon Schlimmeres gemeistert haben und außerdem wollten wir uns die endlosen Weiten, die menschenleere Gegend und die Gelegenheit einmal ein am Arktischen Meer zu stehen, nicht entgehen lassen. 

Gesagt, getan. Die ersten 70 Kilometer bis zum Tombstone Territorial Park mit seinen schönen Wanderwegen waren direkt wahnsinnig anstrengend. Wellblech gepaart mit großen Löchern verhiessen für den Rest der Strecke nichts Gutes und daher vertagten wir das Wandern auf später um gleich noch etwas mehr Strecke machen. 220 rüttelige Kilometer später, wir hatten bis dahin schon einige abgefallene Wagenteile inklusive kompletter Markisen entlang der Strecke passiert, fanden wir einen schönen Stellplatz an einem kleinen Teich. Landschaftlich war der Streckenverlauf bis dato zumindest sehr schön entlang der Tombstone Bergkette und immer einem glasklaren Fluss folgend.

Am nächsten Morgen, kurz bevor wir den Aussichtspunkt am Ogilvie Grat erklimmen wollten, trafen wir auf einen Schweizer Radfahrer, der sich auch die komplette Strecke bis zum arktischen Meer vorgenommen hatte, und der uns bat, ihm seine Wasservorräte auf den Berg hinauf zu fahren. Respekt – da hätten wir ja echt keinen Bock drauf 😳! Die Landschaft wurde immer hügeliger und je höher wir kamen, umso nebeliger und kälter wurde es. Bald setzte auch Regen ein und „Eagle Plains“, die einzige Raststation und Tankstelle weit und breit, war bereits völlig vermatscht. Die Weiterfahrt bis zum Erreichen des Polarkreises war rutschig und mit schlechter Sicht. Dort angekommen erzählte uns ein entgegenkommendes Paar, dass uns an der Grenze von Yukon in die North West Territories Eis und Schnee erwarten würde. Echt jetzt?….leider war es so dann auch. Mitten im August. Wir konnten es nicht fassen…Hey aber wer kann schon von sich behaupten ein Foto vom „Arktischen Ozean“-Schild mit Eiszapfen dran zu haben 😂. Wir sahen zu, dass wir wieder runter ins etwas wärmere Tal kamen, legten daher noch einige Kilometer und eine kurze Fährfahrt zurück und erreichten die kleine Gemeinde Fort McPherson. An der Tanke machte uns ein netter Herr darauf aufmerksam, dass wir doch anscheinend etwas verloren hätten. Schei….uns war doch tatsächlich unser Abluftgitter vom Kühlschrank abgefallen und die ganze Technik kam uns ungeschützt entgegen. Zurück fahren war bei dem Sauwetter keine Option, daher deckten wir das Loch provisorisch ab. Ein Hoch auf Pappe, Kkebeband, Kabelbinder und Nikolai‘s MacGyver-Gen 👍. 

Der folgende Tag brachte trockenes Wetter, aber der Straßenbelag war so aufgeweicht und glitschig, dass wir eigentlich nur schlitterten und hofften, nicht von der Straße abzukommen oder im Schlamm stecken zu bleiben. Einige heikle Stellen und eine kritische Abfahrt von der nächsten Flussfähre weiter, wurde es kurz vor Inuvik, dem einzig größeren Ort hier im Norden, wieder sonniger, trockener und besser zu fahren. Daher passierten wir den Ort ungesehen und nahmen Ziel auf Tuktuyaktuk am Arktischen Meer. Die 150 Kilometer lange Permafrost-Straße wurde erst in 2017 fertig gestellt, um das Dorf a die restliche Zivilisation anzuschließen. Die Landschaft veränderte sich drastisch. Die bewaldete Taiga wechselte zur baumlosen Tundra und diese wurde sodann durch weit verzweigte Fjordarme durchzogen.

Es war schon ein tolles Gefühl am Ende der Straße ganz im Norden anzukommen und zu sehen wie die Menschen hier leben. Dann lernten wir noch was „Pingos“ sind – Eishügel, die sich ganz markant aus der flachen Tundra erheben. Wir lernten auf unserem Stellplatz Uli und Frank sowie Annett und René kennen, zwei deutsche Paare, die uns direkt sympathisch waren und mit denen wir uns auf dem Rückweg noch für zwei gesellige Abende verabredeten. Unterwegs fanden wir dann sogar noch unsere Kühlschrank-Abdeckung wieder. Was für einen Dusel muss man denn bitte haben 💪! Das Blech sah zwar ziemlich mitgenommen aus, aber so haben wir auch ein Souvenir vom Dempster mitbekommen.

Das Wetter bescherte uns wieder einen wilden Mix an Sonne und Regen, aber zum Glück blieb es an unseren beiden letzten Tagen trocken und wir unternahmen noch zwei schöne Wanderungen im Tombstone Territorial Park. 

Fazit zum Dempster: Schlecht fürs Material, aber wir bereuen nix😉

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