Haines

30. Juli 2025 USA

Aufgrund der verspäteten Fähre kamen wir erst um kurz vor 22 Uhr in Haines an. Zum Glück geht hier aber im Sommer die Sonne nur für drei Stunden unter, sodass wir noch im Hellen einen schönen Stellplatz suchen konnten. Dieser befand sich zwar direkt an der Straße zum „Chillkoot Lake State Park“, aber dort wollte nachts keiner hin und die Aussicht auf der anderen Seite machte alles wett – wir standen nämlich direkt am Fjord mit Blick auf Wasser, Berge und Wasserfälle. Am Morgen kam dann auch noch ein Delfin vorbei. Was will man mehr?

Haines war, wie bereits Hyder und Skagway, ein abgeschnittener „Aussenposten“ Alaskas, der nur über eine Straße aus Kanada oder über den Seeweg erreichbar ist. Wir stellen uns das ziemlich komisch vor, zu einem Land zu gehören, von dem man (faktisch wie eine Insel) räumlich so abgetrennt ist. Der Ort selbst gab entsprechend wenig her, dafür war die Lage am Fjord mit mächtigen Gletschern im Rücken umso besser. Wir blieben drei Nächte dort, denn wir wollten uns die Hauptattraktion der Gegend nicht entgehen lassen: Braunbären, die sich während der Lachsmigration in der Flussmündung des „Chilkoot River“ die Bäuche vollschlagen. Somit schlugen wir tagsüber unser Lager strategisch günstig an einem Wehr auf, an dem die Bären während der Lachs-Migration einfaches Spiel beim Jagen haben, und warteten. Ganze zwei Tage lang… genauso wie die mächtigen Seeadler, die regelmäßig über uns kreisten und ebenfalls auf fette Beute aus waren. Aber die Lachse wollten einfach noch nicht den Fluss hinauf und wie wir ja schon in Hyder gelernt haben: wo keine Fische, da auch keine Bären. Von einem Ranger erfuhren wir, dass die Saison über die Jahre hinweg immer später beginnt und es wohl erst in 2-3 Wochen so richtig los ginge. Naja, toll… aber da kann man nix machen und so lange wollten wir dann auch nicht warten. Als Ersatzprogramm machten wir noch einen kleinen Bummel durch den Ort, unternahmen eine kurze Wanderung und sahen uns noch den „Chillkat State Park” am anderen Ende des Fjordes an.

Dann verließen wir Haines wieder – diesmal über die „Haines Road“ in Richtung Kanada. Dabei kamen wir durch ein Gebiet mit der weltweit größten Population an Seeadlern. Aber auch hier tote Hose – naja bis auf einen, der dafür umso schöner für uns poste. Bei der Wiedereinreise nach Kanada wurden wir dann noch ziemlich gelöchert, auch wenn wir nur drei Tage außer Landes waren. 😉

So und nun kommt es… Nur ein paar Kilometer nach der Grenze passierten wir einen Fluss und konnten unseren Augen nicht trauen. Stand da doch ein ausgewachsener Grizzly und guckte uns an. Unser erster Grizzly in freier Wildbahn! Und was für ein hübscher Kerl – mit seiner hellen Schnauze und den dunklen Knopfaugen sah er aus wie aus dem Steif-Kuscheltiersortiment. Leider waren wir dem Bären aber nicht ganz geheuer und er nahm schwimmend oder eher treibend den Rückzug auf die andere Flussseite vor und trottete dort von dannen. Wegen uns hätte er ruhig da bleiben dürfen, wo er war. Aber hey – was für ein Glück und wie sehr haben wir uns darüber gefreut. Wieder einmal haben wir gelernt, dass man Natur nicht erzwingen kann und die schönsten Begegnungen immer die unerwarteten sind.

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