Whittier
Wir verließen den Denali Nationalpark in Richtung Süden, mit Anchorage als nächstem Ziel vor Augen. Die Fahrt auf dem Highway verlief eher unspektakulär – abgesehen von den beeindruckenden Blicken auf den Mount McKinley an den Aussichtspunkten. Deshalb schien die Alternativroute über den Hatcher’s Pass, obwohl sie eine Schotterstraße ist, ziemlich reizvoll. Leider machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung: Nach nächtlichem Regen verwandelte sich die unbefestigte Passstraße in eine rutschige Schlitterpartie, sodass wir nach etwa einem Drittel der Strecke umkehren mussten. Wirklich schade… Statt eines idyllischen Platzes am Berg verbrachten wir unsere erste weniger romantische Nacht in Alaska – zusammen mit vielen anderen Campern auf dem Parkplatz eines Walmart-Marktes.
Auch der Spaziergang durch Anchorage am folgenden Tag war eher ernüchternd. Die Stadt wirkte wie eine Ansammlung von Parkplätzen und Souvenirläden, im Zentrum war kaum etwas los, abgesehen von einigen Touristen. Am meisten beeindruckte uns der Radweg rund um die Stadt, was im Grunde schon alles über Anchorage aussagt. Wir besuchten noch einige Aussichtspunkte in der Nähe des Flughafens, wurden kurz von einem neugierigen Schwarzbären auf dem vielbefahrenen Radweg überrascht, bestaunten den größten Wasserflugplatz der Welt und suchten schließlich einen neuen Übernachtungsort am Stadtrand: diesmal auf dem Parkplatz eines großen Jagd- und Angelgeschäfts, dessen beeindruckende Inneneinrichtung aus unzähligen ausgestopften Tieren und einem riesigen Aquarium bestand. Auch hier waren wir nicht allein – rund 35 Wohnmobile teilten sich den Parkplatz mit uns. Hätte man uns erzählt, wir seien auf einem Campingplatz gelandet, wir hätten es geglaubt 😳.
Am nächsten Tag setzten wir unsere Reise entlang des Fjords „Turnagain Arm“ Richtung Whittier fort. Nach einer kurzen Wanderung zum Byron-Gletscher holte uns der Regen wieder ein und wir verbrachten eineinhalb nasse Tage an einem immerhin malerisch gelegenen kleinen See. Als der Himmel endlich aufklarte, fuhren wir die letzten Kilometer durch einen Tunnel, der Bahn- und Straßenverkehr kombiniert, und erreichten schließlich den Hafenort Whittier. Einst ein bedeutender Militärstützpunkt, besteht Whittier heute – neben Hafen und Eisenbahn – praktisch nur aus zwei riesigen Gebäuden, die als „Stadt unter einem Dach“ konzipiert wurden. Es ist schon kurios, sich vorzustellen, dass alle Bewohner eines Ortes in nur zwei Gebäuden leben. Wenn man seinen Nachbarn nicht mag, kann das spannend werden 😳! Heute lebt der Ort vom Tourismus und wirkte auf uns ziemlich verschlafen, auch wenn die Kulisse zwischen Gletschern und Fjord absolut beeindruckend ist.



























